Wie lange braucht eigentlich Zeit, bis sie verschwindet?

„Wie lange dauert so eine Phase der Trauer eigentlich wirklich, so ganz im ernst jetzt mal unter uns, wie lange ist eigentlich dieses ominöse lange und wann verdammt sieht man ein, wann verdammt kapiert man, wann um Himmels Willen weiß man, dass etwas wirklich weg ist?“

Wir sind noch hier

Ein Beitrag vom 25. April 2015, den ich auf fuerhilde geschrieben habe, der aber immer wieder zu heute wird.

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Wie lange dauert es eigentlich, bis eine Erinnerung verloren geht?

Wie lange dauert so eine Phase der Trauer eigentlich wirklich, so ganz im ernst jetzt mal unter uns, wie lange ist eigentlich dieses ominöse lange und wann verdammt sieht man ein, wann verdammt kapiert man, wann um Himmels Willen weiß man, dass etwas wirklich weg ist?

Ein halbes Jahr hat der Mensch bis jetzt gebraucht, um etwas zu verstehen, bei dem es weder Formeln, noch Zahlen, noch einen Leitfaden gibt. Es hat gedauert, etwas zu verstehen, bei dem niemand da sitzt, der einem sagt, wohin die gebrochenen Gefühle kommen, oder diese ganze scheiß Apathie, die Angst, das Herzrasen, der volle Kopf, der, mit den leeren Gedanken. Sechs Monate, für das Umhertragen dieser transparenten Füllmenge in diesem rauen Körper. Eine Füllung, die…

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So schön wie das Meer, so kalt wie Alaska.

“And in the end,

we were all just humans drunk on the idea that love,

only love,

could heal our brokenness.”  

F. Scott Fitzgerald, The Great Gatsby

Ich habe da so einen Menschen. Ich hab mal gelesen, dass man ihn Kryptonit-Mensch nennt.

Ich habe ihn einige Monate nicht gesehen und auch nichts mehr von ihm gehört, vielleicht ist es besser so. Denn Kryptonit macht Superhelden schwach, so wie er mich schwach macht, und ich bin nicht mal ein Superheld. Er macht mich willenlos und abhängig und egal wie lange ich ihn nicht gesehen habe, alles geht von vorne los. Immer und immer wieder.

Ich habe seine Nummer gelöscht, damit ich ihm nie wieder schreiben kann, betrunkene sms waren nie gut für uns beide, denn es endete immer wieder in einem Haufen Scherben, den ich dann wieder mühsam zusammenkleben musste. Inzwischen warte ich auch nicht mehr darauf, dass er mir schreibt, denn ich weiß, dass er das nicht mehr machen wird. Früher hat er das öfters gemacht, aber inzwischen hat sich vieles geändert. Er gehörte zwei Jahre zu meinem Leben und jetzt ist er nicht mehr da, obwohl er nur zwei Straßen weiter wohnt und ich jeden Tag an seinem Haus vorbeifahre und heimlich hoch in sein Fenster schaue. Ich sehe ihn zum Glück aber nie, das würde mich sicherlich in alte Muster zurückwerfen.

Ich habe längst jemanden neues gefunden und ich bin auch sehr glücklich, dennoch ändert das nichts daran, dass es manchmal noch weh tut, wenn ich ihn sehe, wenn er mich anguckt, wie er mich anguckt oder wenn sich zufällig unsere Hände berühren, es brennt wie Feuer auf meiner Haut und ich weiß, dass es nicht gut ist, nicht gut für uns beide. Wir sind nicht gut genug und waren es auch nie. Ich weiß, dass er das selbe für mich empfindet oder empfunden hat. Ich weiß aber nicht, ob ich ihn jemals vergessen kann oder ob es besser wird, ob es ihm jetzt anders geht. Wir haben uns nie ausgesprochen. Immer wieder haben wir uns gegenseitig verletzt und gesagt, dass es aufhören muss und sind doch nie voneinander losgekommen. Aber es ist richtig so, wie es jetzt ist. Es hat aufgehört.

Die letzten Male als ich ihn gesehen habe, war er immer noch schön, aber er war anders als früher, er war kalt, und ich glaube, dass er inzwischen nicht mehr an mich denkt. Deshalb muss ich auch endlich stark sein und das Kryptonit nicht mehr an mich heranlassen.

Ich war nie mit ihm zusammen und dennoch hat er mein Herz irgendwie kaputt gemacht, es hat jetzt einen Riss, obwohl doch alles immer nur eine heimliche, kleine Liebeslüge war. Für mich und für ihn.