Fick dich vielmals. Eine Hommage an zwei Vollidioten.

Ich und meine liebste Sarah haben einen gemeinsamen Text verfasst. Zwei Geschichten. Zwei Männer. Zwei Frauen. Zwei keine Happy Endings.

(Um eine Gesichte zu lesen, immer einen Absatz überspringen, also entweder erstmal nur das Kursivgeschriebene lesen oder das normale.) Oder halt querbeet 🙂 

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I.

Wenn ich an diesem einen Tag nicht vor drei Jahren. Wenn ich dieses eine Lied nicht vor zwei Jahren. Wenn ich diesen doofen Moment nicht vor einem Jahr. Wenn ich das alles nicht gemacht, erlebt, gefühlt, verdammt bewusst unbewusst beiseite geschmissen hätte. Dann. Dann wäre jetzt alles anders.

I.

Wenn du nicht an dieser einen Seitenstraße auf mich gewartet hättest. Wenn du mich nicht nach Hause gebracht hättest. Wenn ich mich an diesem Abend nicht  in dich verliebt hätte. Wenn du mich einfach nur in Ruhe gelassen hättest, mich nicht so angesehen hättest. Dann.  Dann wäre heute alles anders.

II.

Und du stehst nicht mehr vor mir, guckst mich nie so an wie früher und sagst auch nie: Wenn du damals nicht nein gesagt hättest. Wenn du danach nicht vielleicht gedacht und ja gemeint hättest. Wenn du nicht immer so ignorant, so verloren, so verschlossen und scheiß distanziert wärst. Dann. Dann wäre jetzt alles anders. Das sagst du nie. Ich mache in uns keine Fehler mehr und du bist stumm.

II.

Und du standst immer vor mir und sagtest, du hast eine Freundin. Du würdest sie lieben, kannst aber nicht von mir ablassen. Du standst vor mir und wusstest nicht mehr weiter, sahst mich an und wolltest mich immer wieder küssen, mich nicht gehen lassen. Ich sagte immer, du musst dich entscheiden. Du kannst nur eine lieben. Du konntest beides. Du wolltest uns beide.  Und ich wollte nur dich. Das sagte ich dir aber nie.

III.

Da ist jetzt eine Taubheit in meinem Herzen. Und manchmal hält diese Stille mich nachts wach. Und manchmal hält die Distanz mich näher als gedacht. Und ich frage mich, was du eigentlich machst, ob du noch immer laut über alles lachst, während ich nachts um 03:56 den billigen Wein direkt aus der Flasche trinke und beobachte, wie ich bemerke, dass du und dein Lachen schon seit Jahren nicht mehr da sind. Nie da war. Wie wir uns aus den Augen verloren, weil wir uns nie irgendwas geschworen haben.

III.

Vielleicht wäre ja alles ganz anders gewesen, wenn ich es gesagt hätte. Vielleicht, vielleicht, wäre ich jetzt einfach nicht so verloren in dieser ganzen Geschichte.  Vielleicht wärst du jetzt nicht so unglücklich, wie du immer erzählst und vielleicht wären unsere Herzen nicht so gequält.  Vielleicht würden wir nachts stundenlang wach zusammen im Bett liegen und uns küssen, anstatt zu vermissen. Vielleicht wäre die Stille dann nachts nicht so unerträglich und vielleicht würde ich dich dann auch wenigstens manchmal noch lachen hören.

IV.

Aber man weiß ja eigentlich mit 14 schon, auch ein Schwur ist nichts von Bestand. Genau wie so ein Kuss. Oder wie einmal Händchenhaltend durch die Stadt, wenn niemand guckt und plötzlich ist damit wieder Schluss. Genau, wie nebeneinander einschlafen und das genau so einfach gut finden, ein einziges Mal. Genau, wie sich gegenseitig davon erzählen, das man sich ständig fragt, wie man das mit den Gefühlen auf Dauer eigentlich macht. Wie man das versteht, wenn ein Gefühl plötzlich da ist und nicht mehr weggeht, wie man das eigentlich erträgt. Und das einzige was die volle Beständigkeit hat, ist das scheiß verdammte Erinnern. Nicht nach Monat, nicht nach Jahr, nicht nach Erlebnis und auch nicht danach, was wirklich gut war. Denn dann und wann fällt dein Gesicht in meinen betrunkenen Blick, dann und wann bin ich sogar dabei, dich zu vermissen. Aber ich red mir dann oft selbst ins Gewissen, denn mein Herz sagt eh: Heute geschlossen, denn das mit dieser Liebe ist absolut beschissen.

IV.

Ich frage mich, manchmal, nach nun drei Jahren, vermisst du mein Lachen? Vermisst du die heimlichen Küsse zwischen den zerwühlten Kissen?  Wie geht es dir, wenn du mich siehst? Hast du dann auch Herzrasen und zittrige Beine? Setzt dein Herz auch manchmal aus, oder macht dir das mittlerweile nichts mehr aus? Ich kann die Erinnerungen nicht löschen, hab schon alles versucht, habe sie verdrängt und mittlerweile  in hundert Billigweinen ertränkt.

V.

Ich frage mich, gefühlt zehn Jahre zu spät, ob es eine Trennung geben kann, wo niemals was zusammengehörte und ob es einen Abschied geben kann, ohne sich jemals tschüss gesagt zu haben. Ich frage mich, ob die schönsten Tage brechen können, wie Knochen, wenn sie irgendwo gegen schlagen. Und ich erkläre mir jeden Tag aufs Neue, wo nie was war, kann auch nichts verloren gehen. Du wüsstest was ich meine, denke ich, aber du würdest es auch nicht verstehen.

V.

Wenn wir uns zufällig alle paar Monate auf der Straße begegnen und unsere Herzen für drei Sekunden stehen, uns zufällig im Vorbeigehen berühren, wir aber schweigend weiter gehen und uns  nicht mal umdrehen, dann frage ich mich; Wie kann man das dann als Abschied werten und wie soll man dann damit aufhören, aneinander zu denken, wenn man den letzten Satz noch nicht zu Ende gesprochen hat und wenn man sich am Ende nicht vernünftig umarmt hat? 

VI.

Was bleibt uns jetzt eigentlich noch, außer das hin und her Gerenne zwischen Präteritum und Futur II. Soll ich weiter im Herzen hysterisch sein, schreien, oder mich immer wieder neu dazu ermutigen, dass es schon geht so, ohne Schluss zu machen, dass es schon wird so, wenn wir, jeder für sich, bloß drüber lachen? Es wird werden, jaja klar. Und ich und das Vergangene und auch das Herz, wir werden irgendwann schon kapieren, dass, wenn etwas vorbei ist, muss noch lange kein Ende existieren.

VI.

Und dann wird mir mal wieder mehr klar, dass alles was mal war auch nicht wiederkommt und du auch nicht mehr zurückkommst. Es ist zu viel Zeit vergangen. Und es wurden inzwischen schon so viele Geschichten aufgeschrieben, aber nie für dich oder für mich, weil wir es nicht verdient haben, weil unser Ende schon passiert ist. Mich überrollt ein Lastwagen voller Realität, um zum hundertsten Mal festzustellen, dass so manche Geschichten einfach kein Happy End haben. So wie unsere.

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8 Gedanken zu “Fick dich vielmals. Eine Hommage an zwei Vollidioten.

  1. Hat dies auf fuerhilde rebloggt und kommentierte:
    Wie ein Gespräch unter Freundinnen könnte man sagen. Zwei Herzen flüstern aus’ner Rotweinflasche Gefühle wie im Wahn in diese Tastatur. Es entstehen Buchstaben, Wörter, ganze Sätze und ein Moment aus einem gescheiterten früher. Küsse, falsche Liebe. Wir kennen das ja alle. Und dann ist auch die Liebe doof. Wer kennt das Ende, wenn es nicht ganz vorbei ist? Ich nicht, Bonnie nicht. Du vielleicht?

  2. Manchmal könnte ich aufspringen und schreien. Es ist irgendwie gruselig und auch traurig, dass wir doch alle immer das gleiche durchmachen müssen.
    Scheiß Männer.

  3. Pingback: Ich glaube, am Ende wird alles ein bisschen okay | fuerhilde

  4. U N G L A U B L I C H.

    Ihr habt wahnsinnig Talent!!!
    Wenn ich lese, höre ich „eure“ (in meiner Fantasy) Stimmen (irgendeine Stimme), die mir vorliest, also, die ich höre, wie …keineahnung.
    Das alles las sich wie ein Poetry Slam.
    Ooooh, und wie kraftvoll und wunderschön!!!!!!!!

    Ich liebe diese Zeilen!

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