Unsterblichkeit oder auch; nur der Tod ist für immer.

„Wir sind unsterblich!“, hast du gesagt, als wir hier saßen und Wein getrunken haben. „Wir werden niemals sterben, das weiß ich einfach! Wir sind eben nicht wie die anderen.“

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Unsterblichkeit ist reizvoll, weil jeder hat doch irgendwie scheiß Angst vor dem Tod. Wenn jemand sagt es wäre ihm egal, wenn er nicht mehr hier wäre und einfach weg wäre – verstehst du – weg, so als hätte es dich nie gegeben, metertief unter der Erdoberfläche zu liegen und zu verrotten oder irgendwo verstreut zu werden, der lügt doch. Niemand freut sich auf den Tag, an dem er endlich stirbt. Niemand liegt da kurz vorher und denkt, „Boa endlich isses soweit.“ Niemand hat keine, wenigstens, klitzekleine Angst vor dem Tag, an dem sein Herz das letzte Mal schlägt, weil es immer irgendwas geben wird, was noch gemacht werden wollte, was gesagt werden sollte oder was wir anders machen wollten. Und vielleicht tut es ja auch scheiße-weh, dieses Sterben. Das weiß doch keiner. Woher weiß der Arzt eigentlich, dass sich jemand nicht mehr quälen musste? Vielleicht ja doch! War der etwa schon mal tot?

Wir haben nur ein Leben und eben keine Unsterblichkeit. Wie Milan Kundera schon sagte: „Man kann nie wissen, was man wollen soll, weil man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in  späteren korrigieren kann. […] Einmal ist keinmal […] Wenn man ohnehin nur einmal leben darf, so ist es, als lebe man überhaupt nicht.“  Also sollten wir doch, wenn einmal keinmal ist, alle ein zweites Leben geschenkt bekommen, oder nicht? Um das was wir falsch gemacht haben zu verbessern. Vielleicht reicht aber auch ein Leben, vielleicht machen wir ja auch alles richtig. Aber welches Leben ist schon perfekt? Es gibt immer etwas, was noch besser und schöner hätte sein können. Das weiß man ja nicht, weil man es nicht gemacht hat.

Wir haben alle nur maximal 100 Jahre auf dieser Erde. Wenn man mal überlegt, dass es die Erde schon seit ca. 4,6 Milliarden Jahre gibt, sind wir doch alle mit einem Staubkorn zu vergleichen, das kurz den Boden berührt hat und dann wieder weg gewischt wurde.  Wir sind wie Sternschnuppen, die kurz vorbeifliegen und dann wieder in der Unendlichkeit verschwinden. Und wer wird schon verdammte hundert Jahre alt? Und in weiteren hundert Jahren sind wir dann sowieso vergessen, es sei denn wir waren berühmt, aber das passiert wohl der Mehrheit eher nicht. Wer erinnert sich denn dann noch an Uropa Bernd und Uroma Gerda?

Wenn wir Glück haben, schießen wir über die achtzig und dann sind wir womöglich schon so gebrechlich, dass wir eh nix mehr ausrichten können. Wir können mit über achtzig nicht noch mal von vorne anfangen, wie mit Mitte zwanzig oder Mitte dreißig und eine bessere Ausbildung machen, ein zweites Studium anfangen, uns für den perfekten Job entscheiden oder endlich den richtigen Mann suchen und heiraten. Dat is dann gelaufen. Deshalb sollten wir doch jetzt mal anfangen das Beste daraus zu machen oder nicht? Wir sind doch jetzt noch jung.

Wir müssen wenigstens versuchen, zu wissen was wir wollen und vielleicht im schlimmsten Fall alle Ruder noch mal rumreißen und uns für etwas Neues entscheiden, wenn wir unglücklich sind.  Den falschen Mann nicht erst nach zehn Jahren Beziehung abschießen und dann die letzten zehn Jahre als vergeudet betrachten und den falschen Beruf eben jetzt sofort an den Nagel hängen. Man wir sind doch nicht Unsterblich.

Und im nächsten Moment fragt man sich, wieso man, wenn man doch weiß, dass man eh nur so kurz lebt, nicht endlich mal seinen Arsch hochbekommt und mal irgendwo anfängt das Beste daraus zu machen. Wieso schieben wir immer alles auf und rauchen und saufen und verkürzen unser Leben noch mehr mit so einem Mist, der einfach nicht sein muss? Sind wir irgendwie vielleicht doch einfach nur saudämlich oder was ist da nur los? Erst mal eine rauchen. Das hilft immer vor Entscheidungen und bei allem anderem sowieso auch.

Es gibt so einen Spruch, den wohl jeder kennt. „Lebe jeden Tag, als ob es dein letzter wäre.“ AHA. Ob James Dean seinem Motto wohl selbst treu geblieben ist bis zum Schluss? Wenn es jedenfalls so wäre, würde ich mich sicher nicht jeden Tag in die Uni oder zur Arbeit schleppen, sondern in Disneyland Achterbahn fahren. Wenn so manches Mal, wie heute, Aufstehen, Einkaufen, Essen, vorm Computer sitzen und Schlafen gehen mein letzter gewesen wäre, dann wäre ich echt arm dran und Du auch! „Sie starb an einem Tag, als sie nichts machte.“ Na toll. Was ein fabelhaftes Ende. Aber es gibt nun mal solche Tage, das können wir gar nicht ändern. Man kann eben nicht jeden Tag Achterbahn fahren und das machen was spaß macht, damit es am Abend ein Tag, wie der letzte war.

Aber irgendwann müssen wir doch anfangen mal alles rauszuholen. Nicht mehr ständig Aufgeben und stattdessen Leben. Dann denke ich mir so, wen wir unsterblich wären, dann würden wir es doch wohl auch nicht besser machen.  Wir würden genauso hier rumliegen und nix auf die Kette kriegen weil wir wissen, wir haben ja all die Zeit der Welt, bis die Erde dann mal von der Sonne aufgefressen wird, in was-weiß-ich wie viel Millionen Jahren. Also ist auch die Unsterblichkeit nicht die Lösung. Die Lösung ist, aufstehen und machen, nix auslassen. Wir sind alles Kämpfer und versuchen alle auf unsere Art und Weise unser Leben so zu gestalten, wie wir es möchten. Und diese Chance sollten wir nicht verpassen. Nicht morgen erst anfangen, sondern jetzt. Und auch keine mehr rauchen erst mal. Wir sind eben nur in unseren schlagenden Herzen unsterblich. Bis wir eben irgendwann sterben.

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Fick dich vielmals. Eine Hommage an zwei Vollidioten.

Ich und meine liebste Sarah haben einen gemeinsamen Text verfasst. Zwei Geschichten. Zwei Männer. Zwei Frauen. Zwei keine Happy Endings.

(Um eine Gesichte zu lesen, immer einen Absatz überspringen, also entweder erstmal nur das Kursivgeschriebene lesen oder das normale.) Oder halt querbeet 🙂 

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I.

Wenn ich an diesem einen Tag nicht vor drei Jahren. Wenn ich dieses eine Lied nicht vor zwei Jahren. Wenn ich diesen doofen Moment nicht vor einem Jahr. Wenn ich das alles nicht gemacht, erlebt, gefühlt, verdammt bewusst unbewusst beiseite geschmissen hätte. Dann. Dann wäre jetzt alles anders.

I.

Wenn du nicht an dieser einen Seitenstraße auf mich gewartet hättest. Wenn du mich nicht nach Hause gebracht hättest. Wenn ich mich an diesem Abend nicht  in dich verliebt hätte. Wenn du mich einfach nur in Ruhe gelassen hättest, mich nicht so angesehen hättest. Dann.  Dann wäre heute alles anders.

II.

Und du stehst nicht mehr vor mir, guckst mich nie so an wie früher und sagst auch nie: Wenn du damals nicht nein gesagt hättest. Wenn du danach nicht vielleicht gedacht und ja gemeint hättest. Wenn du nicht immer so ignorant, so verloren, so verschlossen und scheiß distanziert wärst. Dann. Dann wäre jetzt alles anders. Das sagst du nie. Ich mache in uns keine Fehler mehr und du bist stumm.

II.

Und du standst immer vor mir und sagtest, du hast eine Freundin. Du würdest sie lieben, kannst aber nicht von mir ablassen. Du standst vor mir und wusstest nicht mehr weiter, sahst mich an und wolltest mich immer wieder küssen, mich nicht gehen lassen. Ich sagte immer, du musst dich entscheiden. Du kannst nur eine lieben. Du konntest beides. Du wolltest uns beide.  Und ich wollte nur dich. Das sagte ich dir aber nie.

III.

Da ist jetzt eine Taubheit in meinem Herzen. Und manchmal hält diese Stille mich nachts wach. Und manchmal hält die Distanz mich näher als gedacht. Und ich frage mich, was du eigentlich machst, ob du noch immer laut über alles lachst, während ich nachts um 03:56 den billigen Wein direkt aus der Flasche trinke und beobachte, wie ich bemerke, dass du und dein Lachen schon seit Jahren nicht mehr da sind. Nie da war. Wie wir uns aus den Augen verloren, weil wir uns nie irgendwas geschworen haben.

III.

Vielleicht wäre ja alles ganz anders gewesen, wenn ich es gesagt hätte. Vielleicht, vielleicht, wäre ich jetzt einfach nicht so verloren in dieser ganzen Geschichte.  Vielleicht wärst du jetzt nicht so unglücklich, wie du immer erzählst und vielleicht wären unsere Herzen nicht so gequält.  Vielleicht würden wir nachts stundenlang wach zusammen im Bett liegen und uns küssen, anstatt zu vermissen. Vielleicht wäre die Stille dann nachts nicht so unerträglich und vielleicht würde ich dich dann auch wenigstens manchmal noch lachen hören.

IV.

Aber man weiß ja eigentlich mit 14 schon, auch ein Schwur ist nichts von Bestand. Genau wie so ein Kuss. Oder wie einmal Händchenhaltend durch die Stadt, wenn niemand guckt und plötzlich ist damit wieder Schluss. Genau, wie nebeneinander einschlafen und das genau so einfach gut finden, ein einziges Mal. Genau, wie sich gegenseitig davon erzählen, das man sich ständig fragt, wie man das mit den Gefühlen auf Dauer eigentlich macht. Wie man das versteht, wenn ein Gefühl plötzlich da ist und nicht mehr weggeht, wie man das eigentlich erträgt. Und das einzige was die volle Beständigkeit hat, ist das scheiß verdammte Erinnern. Nicht nach Monat, nicht nach Jahr, nicht nach Erlebnis und auch nicht danach, was wirklich gut war. Denn dann und wann fällt dein Gesicht in meinen betrunkenen Blick, dann und wann bin ich sogar dabei, dich zu vermissen. Aber ich red mir dann oft selbst ins Gewissen, denn mein Herz sagt eh: Heute geschlossen, denn das mit dieser Liebe ist absolut beschissen.

IV.

Ich frage mich, manchmal, nach nun drei Jahren, vermisst du mein Lachen? Vermisst du die heimlichen Küsse zwischen den zerwühlten Kissen?  Wie geht es dir, wenn du mich siehst? Hast du dann auch Herzrasen und zittrige Beine? Setzt dein Herz auch manchmal aus, oder macht dir das mittlerweile nichts mehr aus? Ich kann die Erinnerungen nicht löschen, hab schon alles versucht, habe sie verdrängt und mittlerweile  in hundert Billigweinen ertränkt.

V.

Ich frage mich, gefühlt zehn Jahre zu spät, ob es eine Trennung geben kann, wo niemals was zusammengehörte und ob es einen Abschied geben kann, ohne sich jemals tschüss gesagt zu haben. Ich frage mich, ob die schönsten Tage brechen können, wie Knochen, wenn sie irgendwo gegen schlagen. Und ich erkläre mir jeden Tag aufs Neue, wo nie was war, kann auch nichts verloren gehen. Du wüsstest was ich meine, denke ich, aber du würdest es auch nicht verstehen.

V.

Wenn wir uns zufällig alle paar Monate auf der Straße begegnen und unsere Herzen für drei Sekunden stehen, uns zufällig im Vorbeigehen berühren, wir aber schweigend weiter gehen und uns  nicht mal umdrehen, dann frage ich mich; Wie kann man das dann als Abschied werten und wie soll man dann damit aufhören, aneinander zu denken, wenn man den letzten Satz noch nicht zu Ende gesprochen hat und wenn man sich am Ende nicht vernünftig umarmt hat? 

VI.

Was bleibt uns jetzt eigentlich noch, außer das hin und her Gerenne zwischen Präteritum und Futur II. Soll ich weiter im Herzen hysterisch sein, schreien, oder mich immer wieder neu dazu ermutigen, dass es schon geht so, ohne Schluss zu machen, dass es schon wird so, wenn wir, jeder für sich, bloß drüber lachen? Es wird werden, jaja klar. Und ich und das Vergangene und auch das Herz, wir werden irgendwann schon kapieren, dass, wenn etwas vorbei ist, muss noch lange kein Ende existieren.

VI.

Und dann wird mir mal wieder mehr klar, dass alles was mal war auch nicht wiederkommt und du auch nicht mehr zurückkommst. Es ist zu viel Zeit vergangen. Und es wurden inzwischen schon so viele Geschichten aufgeschrieben, aber nie für dich oder für mich, weil wir es nicht verdient haben, weil unser Ende schon passiert ist. Mich überrollt ein Lastwagen voller Realität, um zum hundertsten Mal festzustellen, dass so manche Geschichten einfach kein Happy End haben. So wie unsere.