Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

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„Man ey, früher waren wir echt megapeinliche Teenies!“

Heute lachen wir über uns, wenn wir zurückdenken. Dann kichern wir wie kleine Mädchen, schämen uns vielleicht ein bisschen und trinken Rotwein dabei. Erinnern uns an die Weißt-du-noch Momente und wünschen uns noch einmal zurückzugehen. Zurück in die Zeit, als sich irgendwie alles noch so einfach angefühlt hat, zumindest fühlt es sich jetzt gerade so an, als wäre es einfacher gewesen.

Man sagt immer, man soll in die Zukunft blicken, aber ist es denn so falsch, wenn man sich wünscht, noch mal alles zu erleben? Wir wollen auch gar nichts verändern, wir wollen nur noch mal genau diese Zeit haben, an diesen einen Moment zurück. Noch mal dort auf der Wiese stehen und noch einmal das Bier trinken, was wir in den Händen hielten und diesen einen Jungen küssen, der damals alles für uns war. Noch einmal auf die selben Partys gehen und noch mal dort an der Theke stehen. Weil es so schön war und weil es ganz anders war. Als jetzt.

Wir wollen noch einmal zur Schule gehen, weil Arbeiten scheiße ist. Wir wollen noch einmal zu Hause wohnen, weil es kostenlos war. Wir wollen noch mal Teenies sein und noch mal auf den Straßen tanzen und durch die Dörfer fahren, die wir lieben. Wir wollen noch einmal dies und das, nur nicht das, was wir gerade haben. Wir wollen Zeit, die wir nicht mehr haben. Zeit mit Menschen, die früher alle zusammen in der selben Straße wohnten und nun auf der ganzen Welt verteilt sind. Wir wollen diese Zeit, weil wir wissen, das niemals mehr alle so zusammen sein werden.

Wir denken, „früher war alles besser“, vielleicht ist das nur eine Illusion und wir sagen in ein paar Jahren, dass wir genau an diese Stelle zurück wollen, wo wir gerade sind. Wieso wünschen wir uns überhaupt irgendeine Zeit zurück? Mit Sicherheit hatten wir zu jener Zeit auch mit Problemen zu kämpfen, an die wir uns nur nicht mehr erinnern, weil nur noch die schönen Momente abgespeichert sind. Und das wird immer so sein. Heute wollen wir wieder 15 sein und in ein paar Jahren wünschen wir uns die 30 zurück..

Wir können nicht verstehen, dass man Zeit nicht zurückdrehen kann. Wir verstehen nur erst jetzt, dass was früher war, war gut, so wie es war.

Heute wieder nicht so gut.

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Aufregen ist heute gratis. 

Irgendwas stimmt nicht. Alles stimmt nicht. Nichts. Nicht mal mehr die Taube vor meinem Fenster kommt zurück. Ich glaube, ich habe sie vergrault, mit meinen bloßen Gedanken. „Zu der kommt ich nicht mehr, zu viele schlechte Vibes.“

Irgendwie bekomm ich gar nichts hin. Das Studium plämpelt so vor sich hin und anstatt mich mal um ein Praktikumsplatz zu kümmern, gehe ich lieber in die nächstbeste Bar, um fünfzehn Bier in mich hineinzuschütten. Das Leben ist dann gleich viel besser. Vielleicht. Manchmal. Kurz. Den Arsch hochkriegen, das wäre mal was. Aber ich schaffe es einfach nicht. Lieber noch ne Zigarette und dann fange ich bestimmt an!

Und die Arbeit erst, Arbeit. Ich will da nicht mehr hin. Wenn ich nicht müsste, hätte ich schon 100 Mal gesagt, macht den Scheiß doch selber. Es geht immer nur um Geld, Geld, Geld. Egal wann, wie und wo. Eis essen gehen, Geld. Spaß haben, Geld. Leben, Geld. Atmen, Geld.  Wenn ich könnte würde ich irgendwo am liebsten 20.000 Euro gewinnen, mein Studium abbrechen, dem Bafög-Amt ihre verkackten 10.000 Euro auf den Tisch knallen und das restliche Geld im Wald verbrennen und wie Rumpelstilzchen um das Feuer tanzen.

Ich will Freiheit und Liebe, kein Geld oder Macht und auch keinen Superjob, das macht mich nicht glücklich. Ich weiß ja nicht mal was ich werden will. Ja was will ich eigentlich? Ich fühle mich eingeengt und gefangen, jeder wird was und jeder macht was und ich? Ich hocke in einer Wohnung, in einer Stadt, wo ich nicht sein will, mit einem Studium, dass ich nie zu schaffen glaube und am Ende mit einem riesen Haufen Schulden. Ich gehe zwei Mal die Woche putzen! Putzen in einer Firma, ich mache die Scheiße von diesen superschicken Büromenschen weg und alles was man erntet ist ein Blick, der sagt, man sei nur die dumme Putze. Ihr hattet sicher nie Geldsorgen während des Studiums, weil Mami und Papi so gütig waren.

Ich habe das Gefühl hier zu ersticken. Jede Woche ist die selbe, jedes Wochenende ist gleich, es sind immer die selben Bars und Kneipen, in denen man nach Liebe und Geborgenheit sucht, sie jedoch nicht findet. Alles was man bekommt, ist am nächsten Tag der fiese Kater. Ich wünschte ich könnte mir diese ganze Scheiße, jedes dumme Gelaber und jeden Gedanken auskotzen und danach fröhlich mit einem Tuch über mein Mund wischen und wissen, dass jetzt dann mal gut ist. Genug ist.

Habe ich denn noch nicht genug Scheiße gefressen und bin auf meine Knie gefallen? Wie oft soll ich sie mir noch aufschlagen? Wie oft muss ich noch das Blut wegwischen und Pflaster auf meinen Körper drücken? Immer wieder sage ich mir, bald, ja bald, hast du es geschafft. Doch wann ist dieses bald? Mal wieder alles verkackt.

Gut, dass ich da wen kenne, der mir immer wieder das Leben rettet.

Wir waren hier.

I.

Die vergangenen Jahre liegen hinter uns und wenn wir uns umdrehen sehen wir alles nur noch in schwarz-weiß, Erinnerungen, die manchmal verblassen, weil man sie mit der Zeit vergisst.

II.

Es gab einen Ort, wo wir zusammen auf Bäume kletterten und mit Kreide auf Straßen malten. Aus den bekannten Straßen hallt jetzt nur noch eine Stille, kaum zu glauben, dass wir alle mal hier waren. Alles hat dort angefangen; Der erste Freund, der erste Kuss, das erste verliebt sein, das erste Bier und die erste Kippe. Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen und langsam erinnert nichts mehr an uns. Es fühlt sich komisch an, durch die Straßen zu laufen und keinen von euch zu finden. An jeder Ecke eine Erinnerung, dort ein Kuss, dort ein Streit, dort heimlich geraucht, dort gelacht und dort geweint, da betrunken auf dem Boden gelegen und hier verliebt gewesen. Ich fühle mich fröhlich und verzweifelt zugleich.

III.

Es gibt Dinge, die einen so werden ließen wie man heute ist und das passiert vor allem durch Menschen, die man liebt. Wir haben uns alle dort kennengelernt, wir waren eine riesen Gang, wir waren so was von absolut die Besten der Welt. Früher gab es kein Facebook, Whatsapp und wie es alles heißt, früher mussten wir uns noch SMS schreiben. Für 21 Cent und dafür hatten wir kein Geld. Wir trafen uns einfach draußen und warteten bis alle zusammenkamen. Wir hatten geklaute Zigaretten von unseren Eltern und am Wochenende durften wir bis zwölf raus, aber auf keinen Fall später. Heute sind wir alle weit weg von dort, und doch haben wir alle dieselbe Bindung zu diesem Ort. Es gibt Plätze, die verraten wir waren hier und solange das so bleibt, ist es auch wirklich passiert. Und auch wenn sich letztendlich alle in die Welt hinaus verlieren, ist jeder, der dabei gewesen ist, immer noch in mir.

IV.

Die Dinge kommen, wie sie kommen, wir nehmen sie meistens einfach hin, auch ohne großen Sinn. Wir wollen Dinge gerade biegen und drehen uns doch immer wieder im Kreis, und fragen uns manchmal was war das denn schon wieder für ein verschwendeter Scheiß? Ein bisschen so wie Früher wäre schön oder nicht? Aber das Kommende entscheidet wer du bist. Wir sind alle weg, sind alle was geworden, haben einfach nur größere Sorgen. Immer vor die Wahl, links oder rechts? Keinen Plan was besser ist, sind immer auf der Suche nach der Freiheit und irgendwann werden auch wir zufrieden sein. Alles hat einen Grund, egal wer kommt und egal wer geht, Veränderung heißt nicht dass du stehst sondern lebst.

V.

Zurückzublicken, sorgt bei uns allen für Gänsehaut und irgendwann kehren wir vielleicht zum Teil zurück, denn seit Jahren sind wir auf der Reise und unsere Hände zeigen, dass wir was leisten. Reich werden wir von dieser Erde gehen, seelischen Reichtum kann man nur nicht sehen. Jeder einzelne wird ein Sieger sein, du brauchst nur Mut um zu leben.

VI.

Jeder von uns ist in dem Herzen von dem anderen und manchmal treffen wir uns alle noch, reden über Vergangenes und über das Jetzt. Sind erwachsen geworden und haben uns geschworen, für immer alle zusammen zu gehören. Es gibt heute noch diesen schönen Ort am Fluss. Wir hinterließen Schatten, wir waren da, ich hab’s gesehen. Deutlich und nah.

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