Die Wahrheit

10919638_779189195488894_1462433473_n

„Lieber als Liebe, als Geld, als Ruhm gebt mir Wahrheit. Ich saß an einer Tafel, wo köstliche Speisen und Weine im Überfluß nebst willfähriger Bedienung zu finden waren, aber Aufrichtigkeit und Wahrheit gab es nicht, und hungrig stand ich auf von dem ungastlichen Tisch. Die Gastlichkeit war so kalt wie das Speiseeis. Mich deuchte, es bedürfe des Eises nicht, um es zum Gefrieren zu bringen. Sie erzählten mir von dem Alter des Weines und der Berühmtheit des Weinberges; ich aber mußte an einen älteren, einen neueren und reineren Wein denken, an einen herrlicheren Weinberg, den sie nicht besaßen und nicht kaufen konnten. Der Aufwand, das Haus, die Anlagen, die Bewirtung galten mir nichts. Ich besuchte den König, aber der ließ mich in der Halle warten und benahm sich wie ein Mann, der zur Gastfreundschaft nicht befähigt ist. Es war einmal ein Mann in meiner Nachbarschaft, der wohnte in einem hohlen Baum. Sein benehmen war wahrhaft königlich. Es wäre besser gewesen, ich hätte ihn besucht.“ 

Henry David Thoreau – Walden oder Leben in den Wäldern

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Zitate veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Gedanken zu “Die Wahrheit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s