Wenn jemand verschwindet.

Ist es besser zu schreien und alles mit in den Abgrund zu reißen oder ist es besser zu schweigen und innerlich zu verrecken?

Es tut weh, im ganzen Körper. Jede Zelle, jedes Blutkörperchen, jede Ader und jedes Organ. Ja, sogar jede Sommersprosse tut weh, verdammt. Man kann (Verlust)Schmerz nicht in Worte fassen, es ist ein Gefühl, das irgendwo unter der Haut entsteht und im ganzen Körper streut. Es ist, als ob jemand mit einem Baseballschläger deinen Brustkorb einschlägt und dann verlangt, dass du trotzdem weiter atmest. Man kann nur noch auf dem Boden der Tatsachen liegen und an die Decke starren. Und wenn man irgendwann zehn Tage durchgeheult hat, kann man nicht mal mehr das. Da ist nur noch Leere. Das ist das Gefühl. Leere. Der Mensch ist nicht mehr da, du aber schon.

Man sagt die Zeit heilt alle Wunden. Ganz ehrlich, die heilt vielleicht ein gebrochenes Bein, sonst heilt die gar nix. Es wird immer etwas zurückbleiben. Ein Geruch, eine Erinnerung, ein Satz, ein Blick, ein Kuss und vielleicht auch ein Pullover, den man immer noch heimlich trägt. Und ja die scheiß Sonne scheint auch weiter, dagegen kann man einfach nichts machen, egal wie nah du am Abgrund stehst.

Das Problem ist, Glück liegt in Wiederholung. Und Wiederholung gibt es keine, sobald jemand weg ist. Kein Wiedersehen, keine Umarmung, kein Lächeln mehr, kein gar nichts. Wenn jemand weg ist, also so richtig weg, tot, das ist einfach endgültig. So endgültig, dass man am liebsten endgültig steigern möchte. Es bleibt ein Gefühl von Sehnsucht und Trauer nach der geliebten Person. Ein verfickter Zustand, mit dem man sich durch endlose Tage schleppt, bis man lernt damit zu leben und nicht bis die Zeit irgendwann ein Gefühl heilt. Wie soll das überhaupt gehen?

Man kann zwischen zweitausend Menschen stehen und sich trotzdem wie der einsamste Mensch der Welt fühlen, weil einer fehlt. EINER. Man zieht Vergleiche und man zieht Linien durch Räume und durch Landschaften und keiner ist genug, niemand der einen retten kann. Da ist einfach nur ein verfluchtes Schlachtfeld in dir und absolut nichts und keiner kann das aufräumen.

Man könnte noch so viele schlaue Sätze schreiben über alles, wie es weitergeht und wie es vielleicht aufhört weh zu tun, aber das alles wurde schon geschrieben und geholfen hat’s auch niemandem. Und scheiße ja, es geht weiter. Irgendwie. Weil es das immer gemacht hat. Und vielleicht ist das ja auch gerade das brutalste an der Sache.

Für Jemanden und für alle anderen (24.04.2016)

Was Leiden bedeutet.

„Franz war zwölf Jahre, als sein Vater plötzlich die Familie verließ. Der Junge ahnte, dass etwas Schwerwiegendes vorgefallen war, aber seine Mutter verschleierte das Drama mit sanften, neutralen Worten, um ihn zu schonen. Sie gingen an jenem Tag in die Stadt, und als Sie die Wohnung verließen, bemerkte Franz, dass die Mutter zwei verschiedene Schuhe trug. Das verwirrte ihn, er wollte sie darauf aufmerksam machen, fürchtete aber, sie mit seiner Bemerkung zu verletzten. Er verbrachte zwei Stunden mit ihr in der Stadt, ohne die Augen von ihren Füßen losreißen zu können. Damals begann er zu verstehen, was Leiden bedeutet.“

Aus „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von M.K.

 

 

Wie lange braucht eigentlich Zeit, bis sie verschwindet?

„Wie lange dauert so eine Phase der Trauer eigentlich wirklich, so ganz im ernst jetzt mal unter uns, wie lange ist eigentlich dieses ominöse lange und wann verdammt sieht man ein, wann verdammt kapiert man, wann um Himmels Willen weiß man, dass etwas wirklich weg ist?“

Wir sind noch hier

Ein Beitrag vom 25. April 2015, den ich auf fuerhilde geschrieben habe, der aber immer wieder zu heute wird.

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Wie lange dauert es eigentlich, bis eine Erinnerung verloren geht?

Wie lange dauert so eine Phase der Trauer eigentlich wirklich, so ganz im ernst jetzt mal unter uns, wie lange ist eigentlich dieses ominöse lange und wann verdammt sieht man ein, wann verdammt kapiert man, wann um Himmels Willen weiß man, dass etwas wirklich weg ist?

Ein halbes Jahr hat der Mensch bis jetzt gebraucht, um etwas zu verstehen, bei dem es weder Formeln, noch Zahlen, noch einen Leitfaden gibt. Es hat gedauert, etwas zu verstehen, bei dem niemand da sitzt, der einem sagt, wohin die gebrochenen Gefühle kommen, oder diese ganze scheiß Apathie, die Angst, das Herzrasen, der volle Kopf, der, mit den leeren Gedanken. Sechs Monate, für das Umhertragen dieser transparenten Füllmenge in diesem rauen Körper. Eine Füllung, die…

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Dein Kopfkissen bleibt leer.

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Trauer ist keine Krankheit, die man wegtherapieren kann. Die Sehnsucht und der Schmerz ist nicht pathologisch, Trauer ist eine normale Reaktion des Körpers, weil wir fühlen, weil wir lieben, weil wir jemanden vermissen.

Ich hab lange nichts mehr gegessen. Ich hab einfach keinen Hunger. Die Vorhänge sind seit Tagen zugezogen und ich will keine Sonne sehen, auch wenn sie so fröhlich vor sich hin scheint. Sie interessiert mich einfach nicht. Sie scheint einfach weiter  und das finde ich nicht gerecht und daher bleiben die Vorhänge weiter zu.

Du bist weg. Du bist seit Monaten weg und dein Kopfkissen ist leer und es war auch noch kein anderer hier, der es wieder ausfüllen könnte. Die rechte Bettseite ist leer und deine Bettdecke habe ich unter dem Bett versteckt, damit ich sie nicht mehr sehen muss. „Es ist nur eine blöde Decke!“ sage ich mir immer wieder, aber das ist nicht wahr. Es ist immer noch deine und jetzt wirst du dich damit nie wieder zudecken. Du bist einfach gegangen. Das Bett ist jetzt zur hälfte leer und viel zu breit für mich allein.

An Sonntagen ist es immer fast unerträglich. Da ist jetzt keiner mehr da. Früher haben wir hier zusammen gelegen und uns Geschichten erzählt und dennoch das alles viel zu wenig geschätzt. Ich hab die letzten Tage zu viel geweint und mir ist schlecht.

Auch deine Kleider liegen noch in meinem Schrank und wenn ich es dann mal schaffe mich aufzuraffen und die Türen öffne, sehe ich dich vor mir. Sie sind alle frisch gewaschen und riechen nicht mehr nach dir. Ich habe nichts von dir, wobei ich mich dir nahe fühlen könnte. Deine Sachen liegen hier wie immer, als ob du gleich nach Hause kommst und sie anziehst. Ich wünschte das wäre alles so einfach.

Ich schlafe jetzt viel und manchmal wache ich auf und sehe wieder die Sonne durch den Vorhang scheinen, wie sie versucht in mein Zimmer zu gelangen. Es gibt so viele Dinge, die ich dir noch so gerne sagen will, aber es würde doch nichts ändern und du würdest doch nicht mehr zurückkommen.

Die Trauer und die Sehnsucht nach jemanden kannst du nicht mit Medizin behandeln. Der Schmerz ist nicht pathologisch. Da musst du ganz alleine durch. Mit der Zeit.

Und dein Kopfkissen bleibt leer.

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[Eigentlich.]

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Eigentlich möchte ich gar nicht schreiben. Eigentlich möchte ich nur was los werden. Eigentlich möchte ich nur, dass du wieder da bist. Ich weiß nicht wie das hier ohne Dich gehen soll.

„I find a map and draw a straight line over rivers, farms and state lines. The distance from A to where you’d B it’s only finger lengths that I see.“

Snow Patrol – Set the fire to the third bar

Ich vermisse dich.

S.